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Pflegerische Expertise im Öffentlichen Gesundheitsdienst stärken.

Aufgabe des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (ÖGD) ist es, die Gesundheit der Bevölkerung zu fördern und zu schützen (GMK 2018). Pflegebedürftige Menschen und ihre Angehörigen gehören zu den vulnerablen Bevölkerungsgruppen, wie die COVID-19 Pandemie erneut gezeigt hat. Daher ist es unerlässlich, pflegerische und pflegewissenschaftliche Expertise auch im Öffentlichen Gesundheitsdienst zu stärken. Eine Forderung, die bei der Umsetzung des „Pakt für den Öffentlichen Gesundheitsdienst“ berücksichtigt werden muss.

Im Zuge der COVID-19-Pandemie hat sich abermals gezeigt, welchen kritischen Beitrag Pflegefachpersonen für die Gesundheitsversorgung der Bevölkerung leisten. Das betrifft insbesondere den Schutz vulnerabler Personengruppen, zu denen pflegebedürftige Menschen und Menschen mit Behinderungen gehören, die zuhause leben und von Angehörigen oder ambulanten Pflegediensten versorgt werden, oder die Bewohner*innen in stationären Pflegeeinrichtungen sind. Diese stellen einen stetig wachsenden Anteil an der Bevölkerung dar.

Pflegeexpert*innen (Pflegefachpersonen sowie Pflegewissenschaftlicher*innen) kennen die Bedarfe dieser pflegebedürftigen Personen und können dafür sorgen, dass sie in der Aufgabenwahrnehmung des ÖGD sinnvoll berücksichtigt werden. Sie stellen daher eine bedeutende Ergänzung zu den anderen im Öffentlichen Gesundheitsdienst vertretenen Kompetenzen dar. Gelingende sozialraumbezogene gesundheitliche Arbeit erfordert unbedingt die Berücksichtigung der Bedarfe dieser vulnerablen Personengruppen. Die Notwendigkeit zur Stärkung der „bevölkerungs- und sozialraumbezogenen Arbeit“ des Öffentlichen Gesundheitsdienst (GMK 2018) ist daher schon seit längerem unumstritten. Das betrifft insbesondere auch die Gesundheitsförderung und Prävention.

Qualifikationen sichtbar machen, Qualifizierung ermöglichen und Karrierewege eröffnen

Bereits heute arbeiten zahlreiche Personen mit pflegerischer Grundqualifikation im Öffentlichen Gesundheitsdienst. Dort sind sie jedoch oftmals kaum mit ihrer pflegerischen Expertise gefragt, sondern übernehmen andere Aufgaben, etwa im Bereich der Hygienekontrolle. Das Potenzial dieser Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner sollte sichtbar gemacht, als Ressource erkannt und für die Aufgabenerfüllung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes genutzt werden.

Auch in Deutschland entwickeln sich Public Health-geprägte Rollen in der Pflege. Dazu gehören neben so genannten School Nurses (Schulgesundheitsfachkräfte / Schulgesundheitspflegenden) und Family Health Nurses insbesondere die Masterabsolvent*innen aus dem Bereich Community Health Nursing (DBfK 2018). Besonders diese Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner mit akademischer Qualifikation können einen wertvollen Beitrag zur Aufgabenerfüllung im Öffentlichen Gesundheitsdienst leisten. Sie verfügen über bevölkerungsbezogene Kompetenzen zur Arbeit im Sozialraum, mit vulnerablen Gruppen sowie zur Vernetzung und sie besitzen fundierte Public Health Kenntnisse. Damit können sie sowohl mit Einzelpersonen und Familien als auch mit größeren Gemeinschaften arbeiten.

Insbesondere sind sie in der Lage, die Zusammenarbeit zwischen ÖGD und den pflegerischen Einrichtungen und Diensten zu stärken, die sich im Verlauf der COVID-19-Pandemie als herausfordernd gezeigt hat.

Der Öffentliche Gesundheitsdienst sollte daher die Weiterqualifizierung z. Bsp. zur Community Health Nurse aktiv unterstützen und dem vorhandenen Personal entsprechende Qualifizierungsmöglichkeiten eröffnen. International bekannte und bewährte pflegerische Rollen im Kontext des Öffentlichen
Gesundheitsdienstes, wie zum Beispiel Community oder Public Health Nursing (vgl. Hemingway et al. 2013), sollten auch in Deutschland entwickelt und im ÖGD implementiert werden.

Pflegerische Aufgabenprofile im ÖGD entwickeln, erproben und evaluieren

Um den Beitrag von Pflegeexpert*innen für die Aufgabenerfüllung des Öffentlichen Gesundheitsdienstes zu stärken, sind folgende Schritte erforderlich:

  • Das „Leitbild für einen modernen öffentlichen Gesundheitsdienst“ explizit um die pflegerische und pflegewissenschaftliche Expertise erweitern.
  • Internationale Vorbilder einbeziehen und an die Strukturen im ÖGD anpassen.
  • Aufgabenprofile für Pflegefachfrauen und Pflegefachmänner, insbesondere mit akademischen Qualifikationen, entwickeln und in den Konzepten für den Aufbau von Gesundheitsämtern, zum Beispiel Mustergesundheitsamt Berlin, verankern.
  • Wissenschaftliche, insbesondere pflegewissenschaftliche Begleitung dieser Entwicklung und Evaluation der bevölkerungsbezogenen Outputs, Outcomes und Impacts.

Vertretung der beruflichen Pflege und der Pflegewissenschaft einbeziehen

Um den Öffentlichen Gesundheitsdienst in der beschriebenen Art und Weise zu stärken, müssen Vertreterinnen und Vertreter der Pflege strukturiert in den Veränderungsprozess eingebunden werden. Die Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft e.V., die Berufsverbände der Pflege und die Pflegekammern können zum Gelingen der Weiterentwicklung beitragen und sind in den Prozess als Vertretung der Pflegeberufe einzubeziehen.

Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft e.V.

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe e.V.

Autor*innen:

Helmut Budroni, Katarina Graffmann-Weschke, Carina Hilfenhaus, Kira Hower, Eckhard Lotze, Melanie Messer, Marion Messik, Thomas Fischer, Annett Horn, Andrea Weskamm, Patrick Ziech (Mitglieder der AG Pflege, Gesundheit, Alter im Kompetenznetz Public Health COVID-19)

 

Literatur:

Deutscher Berufsverband für Pflegeberufe DBfK (2018): Community Health Nursing in Deutschland, Konzeptionelle Ansatzpunkte für Berufsbild und Curriculum

GMK (2018): Leitbild für einen modernen Öffentlichen Gesundheitsdienst - Zuständigkeiten. Ziele. Zukunft. In: das Gesundheitswesen 80: 679 – 681

Hemingway, Ann; Aarts, Clara; Koskinen, Liisa; Campbell, Barbara; Chassé, France (2013): A European Union and Canadian Review of Public Health Nursing Preparation and Practice. In: Public Health Nursing 30 (1), S. 58–69. DOI: 10.1111/j.1525-1446.2012.01048.x.
Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz von Berlin (2010): Projekt: Umsetzung des Gesundheitsdienst-Gesetzes (GDG). Schlussbericht. Berlin.

Referenzen

  • "Frau Hilfenhaus durfte ich in verschiedenen gemeinsamen Arbeitsmarktprojekten kennenlernen. Mit ihrem hohen Einfühlungsvermögen, ihrer anpackenden Art und ihrer phänomenalen Energie hat sich mich vom ersten Augenblick inspiriert. Ihr Umgang mit anderen Menschen ist vorbildlich, ihre Zuverlässigkeit unerreicht. Es war mir immer eine große Freude, wenn sich unsere Wege beruflich oder privat gekreuzt haben. Ich wünsche Frau Hilfenhaus für ihre zukünftigen Unterfangen von Herzen alles Gute und viel Erfolg."
    Erika Kollmann Koordination Arbeitsmarkt- und Integrationsprojekte | Referat III - Markt und Integration Kommunales Center für Arbeit (KCA) Jobcenter | Anstalt des öffentlichen Rechts des Main-Kinzig-Kreises
  • Ich habe Carina Hilfenhaus vor vielen Jahren kennengelernt dürfen. Sie verfügt nicht nur über ein hervorragendes Wissens, ihre Offenheit und kommunikative Fähigkeiten lebt sie spürbar. Besonders schätze ich bis heute ihre Freundlichkeit und Empathie.Kurz gesagt eine tolle und kompetente Frau.
    Matthias Schnitzler, ehemaliger Einrichtungsleiter
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Carina Kraus-Hilfenhaus
Pflegewissenschaftlerin B. Sc.

Karlstraße 29 a
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Tel. 06055 8874872
Mobil 0178 4892702

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